• Dipl. Kffr. Jeannette Bottlang

Schicht für Schicht statt Stein um Stein - die Revolution der Bauindustrie?

Aktualisiert: 5. Aug. 2021

05.08.2021 Vivera Estate


Ein Eigenheim aus dem 3D-Drucker: Kostengünstig, umweltfreundlich, schnell errichtet und so individuell wie die Vorstellungskraft des Bauherrn. Was sich vor einigen Jahren noch nach ferner Science-Fiction anhörte, ist mittlerweile zur bewohnbaren Realität geworden.

Im gesamten Haus sind die einzelnen Schichten zu bestaunen, die der riesige 3D-Drucker mithilfe einer Düse Lage um Lage aufgetragen hat. Dabei lässt die intelligente Konstruktion eben dort Lücken, wo später Fenster, Türen und Steckdosen folgen werden. Pro fünf Minuten bringt der Drucker durchschnittlich einen Quadratmeter „Mauerwerk“ hervor. Das dafür genutzte Material wurde in aufwändigen Produktionsverfahren über viele Jahre hinweg entwickelt und kreierte als Ergebnis eine form- und belastbare Betonmasse. Diese soll bestenfalls die globale Herausforderung des Wohnungsmangels in Angriff nehmen.

Nach Ländern wie den USA, den Niederlanden und den Emiraten entstehen mittlerweile auch in Deutschland die ersten 3D-Häuser. Bereits fertiggestellte Bauprojekte geben Architekten:innen, Stadtplaner:innen und der Bevölkerung Grund zu der Annahme, dass die konventionellen Ansätze des Bauens zukünftig überholt werden könnten. Auch wir als Immobilienmakler:innen von der VIVERA Estate GmbH blicken voller Erwartung in die Zukunft der Drucktechnik und stellten uns zuletzt die Frage: Kann die Alternative zum traditionellen Bauverfahren den bewährten Methoden nachhaltig das Wasser reichen?



Ein ressourcenschonender Rettungsansatz für das Klima


Ob Wetterextreme, Ernteeinbußen oder der Anstieg des Meeresspiegels: Der Klimawandel ist nicht mehr zu bestreiten und zurecht eines der wichtigsten Themen in politischen Diskussionen und Konferenzen. Die Umsetzung eines Hausbauprojekts durch den 3D-Drucker erfreut sich nicht nur einer kurzen, kostensparenden Bauzeit, sondern auch einem ressourcenschonenden Materialieneinsatz.

Obwohl Beton aufgrund des für gewöhnlich verwendeten Zements weiterhin ein potenziell klimaschädliches Material darstellt, leistet es im 3D-Druck bereits einen Beitrag für mehr Umweltschutz beim Bau. Da keine Gussformen hergestellt werden müssen, dezimiert sich der Materialverlust und damit das freigesetzte CO2.

Grundsätzlich lassen sich 3D-Häuser noch umweltfreundlicher gestalten, indem konventionelle Materialien durch ökologischere Baustoffe ersetzt werden. So stellte das italienische Unternehmen WASP bereits im Oktober 2018 ein Modellhaus vor, das aus Rohboden, Kalk sowie Stroh- und Pflanzenfasern gefertigt wurde. Übertroffen wurde dieses Projekt durch deren darauffolgende Entwicklung des gedruckten Lehmbaus „TECLA“. Das vollständig aus kompostierbaren Rohstoffen produzierte Haus beeindruckt mit einem biologisch abbaubaren, CO2-neutralen Materialmix und lässt sich sowohl hinsichtlich Energieeffizienz als auch Wohngesundheit als eine überragende, zukunftsweisende Innovation betrachten.

Im Zusammenspiel mit einer smarten Haustechnik und einer ressourcenschonenden Heizungssteuerung können Bauten aus dem 3D-Drucker zweifelsfrei den Weg in eine umweltfreundliche Zukunft der Bauindustrie ebnen.


Die Pioniere des 3D-Drucks


Das international erste Gebäude aus dem 3D-Drucker erblickte im chinesischen Suzhou im Januar 2015 das Licht der Welt. Die vollständige Fertigstellung der 1.115 quadratmetergroßen Villa nahm gerade einmal sechs Tage in Anspruch. Knapp ein Jahr früher, bereits im März 2014, hatte selbiges Unternehmen an einem einzigen Tag zehn einstöckige Modelle in einem Shanghaier Industriepark errichtet.

Europaweit sind unsere Nachbarn aus dem Land der blühenden Tulpenfelder ein wahrer Vorreiter, was die Gestaltung innovativer 3D-Betondrucke betrifft. Im niederländischen Eindhoven ist das bereits seit einigen Monaten bewohnbare, erste „Druck“-Haus Europas entstanden. Entwickelt von der Universität Eindhoven, wurde der 94 quadratmetergroße Bau als eines von insgesamt fünf geplanten 3D-Häusern des Projekts „Milestone“ in Zusammenarbeit mit mehreren Baufirmen realisiert.

Auch die Amerikaner haben einen großen Schritt in Richtung „gedruckte Zukunft“ beigetragen: Die texanische Baufirma ICON entwickelte einen Drucker, der das zementierte Mauerwerk – ausreichend Fläche vorausgesetzt - direkt vor Ort produzieren kann.

Mit der feierlichen Einweihung des im westfälischen Beckum enthüllten 3D-Wohnhauses steht nun auch das erste vom Drucker produzierte Einfamilienhaus Deutschlands. Neben der rasanten Fertigstellungsdauer von gerade einmal vier Tagen überzeugt es mit seiner beinahe unendlichen Designfreiheit. Unabhängige Experten schätzen bereits heute, dass die kometenhafte Entwicklung der Drucktechnologie weiterhin an Fahrt gewinnen wird. Architektenbüros und Baufirmen sehen für den 3D-Druck auch in Deutschland eine strahlende Zukunft voraus – nicht zuletzt, da der Bauprozess bereits in den nächsten fünf Jahren als kostengünstiger eingeschätzt wird als die traditionelle Bauweise.


Kostengünstig zum Eigenheim dank 3D-Druck


Die nahezu unbegrenzte Schaffensmöglichkeit des „kreativen Austobens“ gepaart mit der minimalen Fertigungsdauer macht die Begeisterung von Bauunternehmen und Architekten:innen für den 3D-Druck unmissverständlich. So konnten wir auch im eigenen Umfeld das Entzücken beteiligter Branchen wahrnehmen: Wir stehen mit verschiedenen Ingenieur:innen und Architektenbüros in engem Geschäftskontakt und tauschen uns regelmäßig über die neuesten Entwicklungen im Bausektor aus. Ein viel besprochener Themenbereich widmet sich dem „Ausdruck“ von Häusern – und die Resonanz ist durchweg neugierig bis zuversichtlich.

Was die durchschnittliche Bürgerin und den durchschnittlichen Bürger betrifft, gilt das Interesse neben einem ansprechenden Erscheinungsbild insbesondere dem preislichen Rahmen. Die individuellen Wandstrukturen in Treppenhaus, Kamin und Badezimmer erwecken einen hochpreisigen Eindruck – umso überraschender ist der tatsächlich zu erwartende Kaufpreis:

Die Texaner haben bewiesen, dass der Kaufpreis für ein „gedrucktes“ Haus auffallend kosteneffizient ausfallen kann. Ein 33 quadratmetergroßer Bungalow mit umlaufender Terrasse kostet aktuell umgerechnet 8.900 Euro. In einigen Jahren weiterer Erprobung und Optimierung möchte das Bautechnologie-Startup ICON die Kosten auf gerade einmal umgerechnet 3.600 Euro reduzieren.

Der Preis für das westfälische 3D-Haus in Beckum liegt für die dort erbauten 160 Quadratmeter derzeit noch bei rund 450.000 Euro. Zunächst eine stolze Summe, die sich jedoch unter anderem auf die gehobene Ausstattung inklusive Smart-Home-Technik zurückführen lässt. Während die Kosten damit momentan noch bis zu 15 Prozent über denen der herkömmlichen Bauweise liegen, ist der zukünftig zu erwartende, deutlich günstigere Kaufpreis auf die zeitsparende Bauweise zurückzuführen. Außerdem wird deutlich weniger Personal benötigt, was dem Fachkräftemangel auf dem Bau entgegenwirkt.

Trotz ausgefallener Rundungen, geschwungener Flächen und einzigartiger Innenwände soll die Technik das Bauen bundesweit viel schneller und langfristig auch günstiger gestalten. In spätestens fünf Jahren soll sich das preisliche Verhältnis zwischen 3D-Druck und herkömmlichem Bauen gewendet haben. Auch eine ungewöhnliche Architektur und designtechnische Highlights sollen dank 3D-Druck ohne Aufpreis problemlos umzusetzen sein.


Schicht für Schicht in die Zukunft


Die Nachfrage nach dem Bau neuer Wohnungen ist ungebrochen, die Finanzierungsmöglichkeiten stehen gut und die Wohnungsnot in den Städten ist kaum zu stillen: Entsprechend überlastet ist die Baubranche. Auch für das Berliner Umland ist trotz Bau-Boom keine Sättigung in Sicht. So ist unsere amerikanische Partnerfirma „Mighty Buildings“ aktuell auf der Suche nach einem Joint Venture Partner in Deutschland, um sich aufgrund der vielversprechenden Entwicklungen langfristig auf dem europäischen Immobilienmarkt zu etablieren. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe sieht im neuartigen und zeitsparenden Verfahren des 3D-Drucks eine Chance, allen genannten Problemen gleichermaßen Entlastung zu verschaffen.

Dennoch muss bedacht werden, dass wir derzeit erst am Anfang der Entwicklung stehen und sich unter den etwa 300.000 Bauwerken, die allein in Deutschland 2020 fertiggestellt wurden, gerade einmal zwei gedruckte Exemplare befinden. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen spannenden Trend, der vermutlich speziell in der Vorfertigung seinen Markt finden wird. Gebäudeteile, die in der Halle durch den Drucker gefertigt wurden, werden nach der Fahrt zur Baustelle in modularer Bauweise zusammengefügt.

Im Ergebnis werden insbesondere die Maurerkolonnen entlastet, die derzeit noch in wochenlanger körperlicher Arbeit stark gefordert werden. Stattdessen müssten nur noch wenige Fachkräfte das Drucken am Laptop überwachen. Zusammengefasst wäre zwar eine umfangreichere Vorarbeit vonnöten, durch den 3D-Ausdruck streicht man aber dennoch eine erhebliche Zeitersparnis ein. Mit dieser faszinierenden, neuen Technologie erhofft man sich außerdem die Begeisterung jüngerer Generationen, da das Interesse an handwerklichen Berufen zuletzt deutlich zurückgegangen ist.

Zwar werden Häuser aus dem 3D-Drucker derzeit noch größtenteils zu Präsentations- und Forschungszwecken genutzt, doch die Branche ist sich sicher, dass die Technologie noch „in den Kinderschuhen“ ihres wahren Potenzials steckt. Bis zur Massentauglichkeit wird es vermutlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen, doch die Technologie birgt ein unabdingbares Potenzial – und wir von der VIVERA Estate GmbH freuen uns darauf, zukünftig für viele Menschen den Traum vom Eigenheim Wirklichkeit werden zu lassen.


Ihr Vivera Team



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